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TIPP DER REDAKTION

Erben und Vererben

Nicht erst im Alter sollten Sie vorausschauend planen. Wer sich früh genug über Vererben und Erben informiert und sich um das Nötige kümmert, vermeidet Streitigkeiten und hohe Steuern im Nachhinein. Die Schenkung kann in Teilschritten gut Steuern sparen. Als Volljähriger können Sie außerdem ein Testament anfertigen. Leider tun dies viel zu wenige und bedenken somit nicht, dass es jederzeit zu einem Unglücksfall kommen kann, der unzählige Behördengänge und andere Stressfaktoren mit sich bringt. Zudem muss das verbleibende Hab und Gut verteilt werden. Das funktioniert natürlich auch ohne ein Testament, macht es aber durch mögliche Streitigkeiten der Erben erheblich schwerer. Gibt es Streit unter den Erben, können diese aber auch eine interne Versteigerung veranlassen, bei dem jeder Bietende den Gegenständen einen eigenen Wert zumessen kann.

Um unnötige Verzögerungen zu vermeiden ist die Anfertigung eines Testaments unabdingbar. Gesetzliche Regelungen legen zusätzlich einen Pflichtteil für im Testament Benachteiligte fest, schreiben Angehörigen Freibeträge und Steuersätze zu und klären die gesetzliche Erbfolge wenn kein oder ein ungültiges Testament vorliegt.

Testament

Wer sein Vermögen nach eigenen Wünschen an Angehörige übertragen möchte, der hat das Recht ein Testament schreiben. Auch um Streit zu vermeiden. Es gibt jedoch nur sehr wenige, die ihren letzten Willen festhalten. Um ein Testament gültig werden zu lassen, muss es, mit einer Überschrift versehen, entweder vollständig handschriftlich verfasst, oder vom Notar gezeichnet sein. Wurden mehrere Testamente verfasst, ist das aktuellste gültig. Jedes Testament braucht somit Ort- und Datumsangabe, sowie eine Unterschrift mit Vor- und Nachnamen. Fügen Sie dem Testament noch etwas hinzu, muss auch jeder neue Teil wieder unterschrieben werden.

Im Text selbst legen Sie fest, wer was erben soll. Hierbei müssen Sie klar beschreibende Aussagen treffen und Umgangssprache vermeiden, um Komplikationen beim Auflösen zu vermeiden.

Es muss deutlich sein, wer genau Erbe von welchem Objekt ist. Erbe und Objekt sind dabei mit Namen zu betiteln. Auch Ersatzerben können festgelegt werden, falls erster Erbe vor dem Vererbenden verstirbt. Gibt es keine Angehörigen, oder möchten Sie etwas Gutes tun, können Sie Ihren Nachlass ebenso einer Stiftungen oder der Kirche hinterlassen. Es muss nie das gesamte Vermögen an eine Person vermacht werden.

Hinterlassen Sie einer Person nur eine bestimmte Sache, wird er zum Vermächtnisnehmer. Nur eine Person, die am ganzen Erbe beteiligt wird, ist Erbe, und hat das Recht über Gegenstände, auch wenn Sie einem Vermächtnisnehmer zugeschrieben worden, zu bestimmen.

Ungültig ist jedes Testament, das nicht vom Vererbenden verfasst wurde, keine Unterschrift oder keine Datumsangaben enthält. Auch ein Dritter kann nicht dazu befähigt werden, ein Testament für den Vererbenden zu schreiben. Ist ein Testament ungültig, greift die gesetzliche Erbfolge oder aber ein früheres Testament ein. Führen Sie das Testament unter notarieller Aufsicht, geben Sie an, was es beinhalten soll, und müssen es zum Schluss nur unterschreiben. Die Gebühr für den Notar richtet sich nach der Höhe des Erbes. Das Testament wird bis zum Gebrauch beim Amtsgericht aufbewahrt. So kann keiner das Testament fälschen. Das ist vorteilig gegenüber dem selbstverfassten Testament. Ebenfalls können bei dem notariellen Testament keine mehrdeutigen oder strittigen Angaben gemacht werden, die das Testament ungültig werden lassen würden.

Nur wenn der Vererbende nicht mehr selbstständig schreiben kann, darf er einen Dritten bitten unter seiner Anleitung ein Testament zu verfassen. In dieser Form muss es dann verschlossen dem Notar übergeben werden, welcher nicht hereinsieht, sondern die Übergabe ausschließlich handschriftlich belegt.

Berliner Testament

Verheiratete setzen sich im Berliner Testament beiderseits als Alleinerben ein. Es gibt keine weiteren Erben, nur den Ehepartner. Kinder erhalten nur den Pflichtteil. Der Pflichtteil bezeichnet 50% des gesetzlichen Nachlasses. Der erbende Gatte muss diesen an die Kinder auszahlen, auch wenn das bedeutet die bewohnte Immobilie zu verkaufen. Schützen könnten Sie sich mit einer Klausel in Ihrem Testament, der Pflichtteilsverwirkungsklausel. Diese regelt, dass im Falle des Verlangens des Pflichtteils bei dem ersten Erbfall, der Erbe nach dem Tod des zweiten Elternteils wieder nur einen Pflichtteil bekommt. Der Erbe würde so auf einen Teil des Erbes verzichten. Sie könnten die Schlusserben aber auch einen Pflichtteilsverzicht unterzeichnen lassen. Stirbt ein Partner, kann der andere frei über das Erbe entscheiden. Stirbt auch der zweite Partner, erhalten die Kinder das übrige Erbe. Sie sind Schlusserben. Der erbende Ehepartner kann nicht darüber entscheiden, wie der Nachlass nach seinem Tod aufgeteilt wird. So ist die Folge des Erbens festgeschrieben.

Zu achten ist auch auf eine Wiederverheiratungsklausel. Nach dem Tod des Ehepartners könnte der Witwer wieder heiraten. Um auszuschließen, dass dadurch andere Personen (neuer Ehepartner oder Kinder von diesem) Erbansprüche erheben können, sollte diese Klausel ebenfalls in das Testament aufgenommen werden.

Lohnend ist das Berliner Testament eher bei größeren Familien. Denn bedenkt man, dass jedes Kind als Erbe einen Freibetrag hat, lässt sich bei mehreren Kindern das gesamte Erbe aufteilen. Steuerlich bietet das einen Vorteil. Denn ist das Erbe höher als der Freibetrag des verbliebenen Partners, und nach Tod von diesem, das Erbe wiederum höher als der Erbschaftssteuerfreibetrag pro Kind, erhebt die Staatskasse doppelt Steuern.

Trennen sich die Ehepartner, müssen beide einer Änderung zustimmen, um das Testament umzugestalten.

Gesetzliche Erbfolge

Ist ein Testament ungültig oder wurde keines geschrieben, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Es kommt oft vor, dass ein Verstorbener kein Testament angefertigt hat, und so nur seine Angehörigen als Erben in Frage kommen. Wer Erbe wird und wie viel er bekommt, ist gesetzlich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. In ihm werden die Erben durch ihre Verwandtschaft mit dem Verstorbenen in eine Rangfolge unterteilt. Die nächsten Verwandten, welche in der ersten Ordnung stehen, sind die Kinder mit ihren Kindern und weiteren Nachkommen. Es erben immer die nächsten Überlebenden; hinterlässt der Gestorbene Kinder, erben diese das gesamte Vermögen. Sind seine Kinder ebenfalls tot, so erben seine Enkel. War der Verstorbene jedoch nicht verheiratet, erben nur seine Kinder. Die Enkel werden vom Erbe ausgeschlossen. Hat der Verschiedene keine Kinder, stehen erst seine Eltern, dann Geschwister, Neffen oder Nichten, sowie deren Nachkommen an zweiter Stelle der Ordnung. Sind seine Eltern schon verstorben, erben seine Geschwister oder deren Nachkommen. Hatte er keine Geschwister, stehen an dritter Stelle die Großeltern vor Onkeln oder Tanten, Cousinen und deren Nachkommen. Urgroßeltern und deren Nachkommen rücken an vierte Stelle der Rangordnung, und weitere Vorfahren mit Nachkommen gliedern sich an den Schluss der Ordnung ein.

Unverheiratete Paare sind im Erbrecht nicht berücksichtigt. Möchte ein Lebensgefährte seinem Partner seinen Nachlass vererben, muss er ein Testament schreiben. Denn das Testament kann die gesetzlich geregelte Erbrangfolge des BGBs außer Kraft setzen.

Pflichtteil

Wer ein Testament ohne notarielle Beihilfe verfasst, muss bedenken, dass auch wenn Angehörige in diesem nicht erwähnt werden, sie nach dem Gesetz ein Recht auf einen Teil des Erbes haben. Wird dieser Pflichtteil beim Schreiben des Testaments nicht bedacht, können Familienmitglieder ihn einklagen. So muss der im Testament angegebene Erbe den Pflichtteil an Angehörige auszahlen. Unter dem Pflichtteil wird die Hälfte des Erbanteils verstanden, der Angehörigen nach gesetzlichen Regelungen zusteht.

Schenkung

Um Erbschaftssteuern zu sparen, wollen viele Leute das Eigenheim an ihre Kinder verschenken. Die Kinder haben einen zehnjährlichen steuerfreien Freibetrag von 400.000€. Das bedeutet, dass Eltern Ihren Kindern ein wertvolles Anwesen in Teilschritten schenken können. Dies muss noch zu Lebzeiten der Eltern geschehen. Nach dem Tod der Eltern kann kein weiterer Freibetrag in Anspruch genommen werden. Lohnenswert ist eine Schenkung besonders dann, wenn noch weiteres Vermögen besteht. Denn so steigt der Freibetrag der Kinder alle zehn Jahre wieder auf 400.000€.

Hierbei sollte nie auf einen Steuerberater und einen notariellen Nachweis verzichtet werden. Die Gebühren für diese können sich allerdings schnell auf über 1% des Immobilienwerts belaufen. Verträge sollten immer unter Aufsicht eines Notars abgezeichnet, und das lebenslange Wohnrecht der Eltern im Grundbuch eingetragen werden, damit sie bei Verkauf der Immobilie nicht ausziehen müssen. Ebenfalls sollte vermerkt werden, dass die Kinder das Haus nicht verkaufen dürfen, oder Eltern das Recht haben, Räumlichkeiten an Dritte weiterzuvermieten. Bedenken Sie auch einen möglichen Sozialfall oder Todesfall Ihres Kindes und lassen Sie eine Rückübertragung regeln.

Viele Eltern möchten sich durch die Schenkung Pflege und Hilfe im Alter durch ihre Kinder sichern. Dem Vertrag können die Eltern verschiedene Klauseln beifügen, die das Zusammenleben mit den Kindern regeln, oder, beispielsweise bei Umzug der Eltern in ein Heim, die alten Regeln aufheben oder neu formen. Falls die Heimkosten das Einkommen der Eltern (durch Rente) übersteigen, kommt das Sozialamt für den Rest auf. Die Kinder müssen nicht für Kosten dieser Art eintreten. Es kann aber auch vertraglich festgehalten werden, dass die Kinder den Eltern im Pflegefall (oder auch einfach so) einen monatlichen Betrag überweisen. Diesen können die Kinder als Sonderausgabe bei der Steuer angeben. Die Eltern müssen diese Zahlungen nur zu einem geringen Steuersatz versteuern. Hier sollte immer ein Steuerberater miteingebunden werden.

Werden die Eltern zum Sozialfall, kann das Sozialamt binnen den ersten zehn Jahren die Schenkung zurückverlangen, und sie der Zahlung von Sozialleistungen entgegenstellen. Nach dieser Frist ist die Schenkung unantastbar, und die Immobilie im Besitz der Kinder.

Unabhängig davon, ob der Erbe seinen Beruf aufgibt oder weiterführt, steht ihm eine Begleichung für Pflegeleistungen zu. Erbringt der Erbe schon innerhalb der ersten zehn Jahre der Schenkung Pflegeleistungen, und das Sozialamt beanstandet die Schenkung, bleibt der Wert der Pflege beim Erben. Das Sozialamt hat nur Anspruch auf den Betrag der sich ergibt, wenn der Pflegewert vom Wert des Hauses abgezogen ist.

Schenkungssteuer und Erbschaftssteuer

Für Erbe muss Steuer gezahlt werden. Wie hoch die Steuer ist hängt dabei vom Grad der Verwandtschaft ab. Jeder Erbe hat jedoch einen Freibetrag, bis zu dem er keine Abgaben leisten muss. Ehepartner haben den größten Freibetrag; er liegt bei 500.000€. Kinder und deren Nachkommen, wenn die Eltern verstorben sind, haben 400.000€. Wenn die Eltern noch leben liegt der Freibetrag bei 200.000€. Die Eltern oder Großeltern können im Todesfall mit einem Freibetrag von 100.000€ erben. Bei Schenkung liegt der Freibetrag bei 20.000€.

Zudem wird die Verwandtschaft in drei Steuerklassen unterteilt; enge Verwandte haben Steuerklasse I. Dazu gehören neben dem Ehepartner Kinder und Enkel, deren Eltern verstorben sind, und Eltern oder Großeltern. Geschwister und deren Kinder, der geschiedene Ehegatte und auch Schwieger- oder Stiefeltern haben einen Freibetrag von 20.000€ und gehören zu Steuerklasse II. Entferntere Verwandte, Bekannte und Lebenspartner gliedern sich mit einem Steuerfreibetrag von 20.000€ in Steuerklasse III. In dieser Steuerklasse befinden sich auch eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner mit einem allgemeinen Freibetrag von 500.000€. Letztere, Kinder sowie Enkel ohne Eltern profitieren zusätzlich von Freibeträgen für Hausrat, Kleidung, Kunst, Autos und dem Versorgungsfreibetrag. Dieser gilt jedoch nicht, wenn es sich um eine Schenkung handelt.

Generell gilt bei der Erbschaftssteuer, dass der Steuersatz steigt, je höher das zu versteuernde Erbe ist.

Todesfall

Verstirbt eine Person, gibt es viele wichtige Dinge zu erledigen, für die Fristen einzuhalten sind. Bei einem Todesfall zu Hause muss sofort der zuständige Arzt benachrichtigt werden. Dieser erstellt nach der Leichenschau einen Totenschein. Anschließend kümmert sich der Bestatter um den Leichnam und anfallende Behördengänge. Der Bestatter kann schon vorher vom Verstorbenen gewählt wurden sein. Ist dies nicht der Fall, müssen sich Angehörige einen Bestatter beauftragen. Für die Behördengänge werden die Papiere des Verschiedenen benötigt. Neben Geburtsurkunde, Personalausweis und Stammbuch der Familie sind Versicherungs- und Rentenunterlagen wichtig.

Einen Tag (Werktag) nach dem Todestag muss beim Standesamt die Sterbeurkunde erbeten werden. Beglaubigte Kopien dieser, werden unter anderem Krankenkasse, Banken, Rentenversicherungsträger und andere Versicherer verlangen. Ansprüche der Rentenversicherung müssen für Hinterbliebene innerhalb drei Monaten geltend gemacht werden. Die Lebens- und Sterbegeldversicherung wollen umgehend von einem Todesfall wissen. Der aktuelle und frühere Arbeitgeber müssen ebenfalls über den Tod informiert werden, um für Hinterbliebene Betriebsrentenansprüche zu sichern.

Lebensversicherung und Rentenversicherung

Renten wie die Rüruprente, die Riesterrente, die betriebliche oder die gesetzliche Rente sind vom Erben ausgeschlossen, sofern keine Regelungen getroffen wurden.

Der Riester-Vertrag lässt es zu, Restbeträge der Verstorbenen steuerpflichtig an die Erben auszuzahlen. Nur Ehepartner können diesen Betrag frei (wenn der Freibetrag nicht überschritten wird) auf den eigenen Vertrag übersenden.

Damit die Rürupente nach dem Tod an Hinterbliebene übergeben wird, muss der Versicherte eine kostenpflichtige Zusatzversicherung abschließen. Damit wird ein Teil der Rente zum Risikoschutz und die Altersrente fällt geringer aus. Private Rentenversicherungen oder die Betriebsrente schließen allerding aus, dass andere Personen als kindergeldberechtigte Kinder oder Ehegatten mit dem Hinterbliebenenschutz begünstigt werden.

Eine Kapitallebensversicherung oder eine Risikolebensversicherung hingegen beinhaltet eine Todesfallleistung für eingetragene Hinterbliebene. Hier lassen sich Verträge so verfassen, dass auf den Auszahlungsbetrag keine Steuern gezahlt werden müssen. Die Begünstigten müssen namentlich festgehalten und benachrichtigt werden, damit die Beträge nicht zum Erbe gezählt werden, und von Erben streitig gemacht werden können.